Home





Links









Copyright Detlev Bölter

zurück

Triumphator C "Typ 1", Demo

Hersteller: Triumphator Werk mbH Leipzig
Baujahr: ab 1906
Seriennummer: 4874
Funktion: Vierspezies-Sprossenradmaschine 9x8x13, Zehnerübertrag im UZW, Einstellkontrollwerk. Umgebaut zur Demo-Rechenmaschine.
Beschreibung: Mit 47 cm Breite und knapp 16 kg die größte je gebaute Sprossenradmaschine!
1904 wurde der Markenname begründet, Fertigungsstelle war das "Leipziger Röhrenwerk"und die Fertigung nach Leipzig umgesiedelt. Die noch schwach erkennbare, rückseitige Beschriftung meiner Maschine (noch kein Abziehbild, wie es später üblich wurde) lautet "Triumphator Werk mbH Leipzig Ia". Rechts die Abbildung einer etwas jüngeren, vermutlich restaurierten Maschine dieses Typs (Quelle).

Von Beginn an waren die Triumphator-Maschinen mit entscheidenden Neuerungen ausgestattet. Die ersten Modelle, gebaut ab 1903/1904 , waren die Typen "A" und "B". Sie besaßen bereits ein Einstellkontrollwerk (Patente 155445 und 157591), jedoch noch keinen Zehnerübertragung im UZW. Ab dessen Patentierung 1906/1907 (Patent 204910) wurde mit dieser wichtigen und weltweit erstmaligen Neuerung ein weiteres Modell gebaut, heute als "Typ 1" bezeichnet. Eine weitere interessante Neuerung war die Sperrvorrichtung, die bereits beim Herausziehen des Kurbelgriffes wirksam wird. Diese Funktion kombinierte die Sperrung der Einstellung, Entsperrung der Trommel und die Trennung des Einstellkontrollwerkes von den Einstellringen (beginnend mit Patent 156775).
Der "Typ 1" war damals von der technischen Entwicklung - und natürlich von der Größe - her weltweit der Spitzenreiter. Ob diese große Maschine offiziell "C" hieß, ist mir nicht bekannt, ebensowenig wie die Herkunft der Bezeichnung "Typ 1". Auf den Sprossenrädern ist außen erkennbar zwar ein "C1" eingestanzt, auf der Rückseite der Sprossenräder - erst nach deren Ausbau sichtbar - allerdings "C2". Die Maschine trägt bereits alle technischen Merkmale des verkleinerten und erfolgreichen Modells "C", das ab 1921 auf dem Markt erschien (siehe "Triumphator C").

Der Marktführer Grimme, Natalis und Co. (Brunsviga) besaß sogar ein Patent für die Zahlenbeschriftung auf dem Trommelblech. Um die Lizenzgebühren zu sparen, und weil man mit dem Einstellkontrollwerk aufwarten konnte, wurden bei den ersten Triumphator-Maschinen des "Typ 1" die Zahlenprägungen fortgelassen. Auf einem der Fotos unten ist dies erkennbar. Martin schreibt, dass die großen Modelle auf Wunsch auch noch nach dem ersten Weltkrieg gebaut wurden, wenn auch in geringer Stückzahl. Wie das Foto oben rechts zeigt, hat man dann später doch das Trommelblech mit Ziffern versehen.



Anmerkungen: Umbau zur Demo
Die Bleche und die vernickelten Teile waren in denkbar schlechtem Zustand (siehe unten). Die Löschung funktionierte an mehreren Stellen nicht, die Einstellung klemmte und hakelte überall - ein bekanntes Problem früher Triumphator-Modelle, begründet durch noch nicht perfekt gefertigte Sprossen und deren typischen Verschleiß. Wie nicht anders zu erwarten, war die Trommel sehr fest gesichert, sogar mit mehreren Zapfen durch die Welle. Einige Zehnerhebel der Sprossenräder mußte ich ausbauen, von Rost befreien, gängig machen und die Federn nachspannen. Nach dem recht schwierigen Öffnen der Trommel verbrachte ich etliche Stunden mit dem Versuch, die Sprossen nachzuarbeiten. Obwohl ich darin einige Erfahrung habe, gelang es bei einem der Sprossenräder nicht. Das führte zu der Überlegung, eine Demo anzufertigen. Außerdem erwies es sich als zu aufwändig, die meisten der 30 (nach der Reinigung mit Seifenwasser!) fast völlig farblosen Ziffernräder neu mit Farbe einzulegen. Das Bakelit war geschrumpft und die Tiefe der Ziffern war nicht mehr ausreichend, um die Farbe im üblichen Verfahren einzubringen. Die am besten erhaltenen Ziffernräder sind im Original in der Demo-Maschine verbaut.
Das Ergebnis ist eine exklusive Demo-Rechenmaschine, die in Aufwand und Design vermutlich ihresgleichen sucht (Eigenlob, Eigenlob!). Bedingt durch die Größe und Reduzierung auf wenige Stellen sind die Funktionen sehr gut beobachtbar und demonstrierbar. Das Gewicht beträgt noch immer stolze 9,5 kg. Ich habe dafür wesentlich mehr Zeit benötigt als für eine normale Restaurierung, mitbedingt durch die sorgfältige Reparatur einiger technischer Defekte. Vom didaktischen Gesichtspunkt her gehört sie in ein Museum. Vielleicht meldet sich ja eines....

Sie können eine Beschreibung des Demo-Modells downloaden, die in Kurzform alle Rechenfunktionen und technischen Funktionen wiedergibt.
Links intern: Original-Odhner als Demo
Links extern: Triumphator - Hersteller und Modellgeschichte (PDF)
Bedienungsanleitung (PDF)
Literatur: Martin S. 154 f.
Reese/Anthes: Triumphator-Seriennummern und Modellliste. In: Historische Bürowelt Aktuell, Jg. 19 (2001), S. 9-12. (Scan)
Download:



Hier zum Vergleich das Innenleben der späteren und kompakteren Triumphator C. So etwa hat man sich auch das vollständige Innere des "Typ 1" vorzustellen. Verändert wurde lediglich der (hier verbesserte) Schlittentransport sowie ein Funktionsdetail der Überschleuderungskorrektur. Weitere Detailfotos dieser "C" finden Sie hier.


 


               

Bilder des Urzustands des Demo-Modells. Auf dem oberen Bild erkennt man, dass die Prägeziffern für die Einstellung fehlen.
Bild rechts: Die 13. Stelle des Resultatwerks war stillgelegt. Ein Ziffernrad (Nr. 1) war beschädigt, und so zerlegte der Service das Zählwerk, schloss die Lücke durch Tausch (12 kam auf Platz 1, 13 auf Platz 12) und installierte eine Blende. Die Überlaufglocke kam dadurch außer Funktion und wurde entfernt.

An der Löschwelle des RZW waren zwei der Löschzapfen abgebrochen. Man bohrt zur Reparatur den Restzapfen aus und treibt einen Stahlstift ein (Foto), der anschließend gekürzt und zurechgefeilt wird.


Der Torso des ursprünglichen Kurbelgriffs. Der mittige Bruch wurde von "historischem" Klebeband gehalten. Kaum ein anderes Detail veranschaulicht besser, wie viel mit dieser Maschine gearbeitet wurde (und auch, welche Kräfte auf die Kurbel dieser großen Maschine übertragen werden mussten). Ich habe an der Demo-Maschine den Bakelitgriff einer anderen, alten Triumphator angebracht.

Sprossenrad Nr. 9 des "Typ 1". Auch hier der Rekord: 200 gr und 7,3 cm Durchmesser und damit noch eine Kleinigkeit größer als bei der frühen Brunsviga B. Eine der Sprossen dieses Rades war übrigens verbogen(!) und klemmte natürlich völlig. Dies vom Service reparieren zu lassen war vermutlich zu teuer, also verzichtete man beim Rechnen auf die neunte Stelle ebenso wie auf die 13. Stelle des RZW.
Sämtliche 81 Sprossen mussten von Hand sorgfältigst nachgefeilt werden; das habe ich auf mich genommen, obwohl in die Demo nur 2 Sprossenräder eingebaut sind. Die restlichen Sprossenräder sind ja für sich genommen eine kleine Demo dieser frühen Technik.


Ich habe die Bleche abgelaugt, geschliffen und lose aufgelegt, so vermittelt die Triumphator etwas mehr ihrer ursprünglichen Ausstrahlung und ist besser staubgeschützt. Als Beilage und als kleine Extra-Demo ist eines der übrig gebliebenen Sprossenräder abnehmbar aufmontiert.




Nahaufnahmen des fertigen Demonstrationsmodells
(nicht originale, jedoch für die Demo notwendige Stifte und Sicherungen sind rot markiert)

Einstellkontrollwerk und Trommel, reduziert auf zwei Stellen, dreistelliges Resultatwerk. Alle zusätzlichen Sicherungen - also von mir eingebaute Teile - sind rot markiert. Das Sprossen-Sicherungsblech des linken Sprossenrades wurde verkürzt, um die Funktion der Sprossen sichtbar zu machen.

Die Flügelschraube links auf der Welle des Einstellkontrollwerkes dient übrigens nicht zur Löschung, dies erfolgt durch Nullstellung der Sprossenräder. Man kann mittels dieser Flügelschraube ein etwaiges Überschleudern oder eine anderweitig bedingte Fehlstellung des Einstellkontrollwerkes korrigieren. An dem späteren Modell C wurde diese Sicherheitsmaßnahme noch verbaut (siehe Foto oben), später dann fortgelassen. Für diese Korrekturlöschung stellt man die Sprossenräder auf Null, löst die Kurbel und betätigt dann die Flügelschraube.

Aus Martin, S. 153. Die klassische Sprossenradtechnik entspricht den damaligen Odhner- bzw. Brunsviga-Modellen, neu ist das Einstellkontrollwerk oben rechts.
Die Demo-Maschine (siehe Foto links) zeigt diese Anordnung sehr schön, allerdings von der anderen Seite her gesehen.

Umdrehungszählwerk, auf zwei Stellen reduziert, rechts die Trommelsperre.



Umdrehungszählwerk, von links gesehen; links über der Trommel das wendeläufige Getriebe- eine der vielen Neuerungen.

Rückseite, die Überschleuderungskorrektur links oben, rechts das UZW.